Der Pechvogel
Es lebte einmal in einem alten morschen Baum
ein kleiner schwarzer Vogel, der war immer
allein, denn, er war vom Pech verfolgt, alles
was er anpackte das ging daneben. Es fing
schon damit an, daß er sich beim ersten Flug
den Flügel verstauchte. Beim Sammeln von
Ästen brachte er immer die falschen mit, und
die anderen Vögel blickten verächtlich auf
ihn herab, denn er konnte halt nicht so toll
fliegen, wie die anderen.
Die Anderen sahen immer nur das, was er nicht
konnte, sie beurteilten ihn nach seinem
Äusseren, seinen Flugkünsten, und nach seinem
Wohnplatz. Aber sie sahen nicht was wirklich
in ihm steckte. Sie wußten nicht, daß er ein
guter Zuhörer war, daß er andere Dinge gut
konnte, z.B. Nester bauen, sie beurteilten
nur daß er die Äste nicht so gut tragen
konnte.
Der Pechvogel zeichnete sich auch durch seine
Geduld aus. Aber, irgendwann war auch seine
Geduld am Ende, er verließ seinen alten
verdorrten Baum und ging in die Welt hinaus.
Er traf viele Vögel, die waren wie die in
seiner alten Heimat. Aber er traf auch
solche, denen es egal war, wie er fliegt, ob
er Äste sammeln kann und denen sein Aussehen
sogar gefiel! Denn eigentlich sah er gut aus.
Er wollte es zuerst nicht glauben, traute
zuerst nicht seinen Ohren, aber sie waren
auch so ähnlich wie er, waren zwar nicht
perfekt aber jeder von ihnen hatte seine
Fähigkeiten.
So fand der Pechvogel viele Freunde, und er
wußte, daß schon damals Recht hatte, daß es
nicht darauf ankommt das jemand perfekt ist,
sondern, daß es darauf ankommt, das jemand
das Herz am rechten Fleck hat.